Was ist DAS denn?

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Seit Kurzem macht eine neue Bademode für Männer Furore, aber vielleicht ist der Medienhype, der darum gemacht wird, auch nur dem sich bereits ankündigenden Sommerloch geschuldet. Mir ist jedenfalls noch kein Mann im Schwimmbad begegnet, der dieses Teil tatsächlich trägt. Trägt? Umgeschnallt, könnte man wohl eher sagen. Es handelt sich um einen winzigen Fetzen Stoff, der gerade mal das Gemächte knapp bedeckt und nur von einem Gummizug um den Oberschenkel und durch die Poritze gehalten wird. Von vorne und aus einiger Entfernung sieht das Accessoire übrigens aus wie ein erigierter Penis, zumal in rot.

Ist das sexy? Nun, selbst bei knackigen Jungmännern mit muskulöser Traumfigur wirkt diese…, nein, Badehose kann man dazu schlecht sagen, Schweizer würden es vielleicht Verhüllerli nennen (ich habe das Wort gerade erfunden) …jedenfalls wirkt das Teil leicht irritierend auf die geneigte Betrachterin. Irgendwie scheint die Hälfte zu fehlen, und zwar von dem, was es verbirgt. Es gibt ja Männer, die nur einen Hoden haben, bei denen wäre das Teil zweifelsohne am richtigen Platz.

Menschen sind generell nicht symmetrisch gebaut. Bei fast allen Frauen sind die Brüste ungleich, bei vielen Männern wie Frauen sind die Beine unterschiedlich lang (was sie oft noch nicht mal selber merken), und bei allen, ja, wirklich allen Menschen unterscheiden sich die rechte und die linke Gesichtshälfte um eine Winzigkeit – was auch notwendig ist, um dem Gesicht eine gewisse Interessantheit zu verleihen. Absolute Symmetrie und Makellosigkeit ist langweilig und wirkt künstlich.

Eine gewisse Unvollkommenheit erst macht uns menschlich. Im Barock und Rokoko pflegten sich vornehme Damen und manche Männer ein künstliches Muttermal, so genannte Mouches, als Schönheitspflaster ins Gesicht zu kleben, das fand man erotisch und war überdies ein Zeichen, mit dem, je nach Platzierung, diskrete Signale gesendet wurden. Eine Mouche im Mundwinkel etwa bezeichnete eine Frau, die gerne küsst (la baiseuse), eine auf der Wange eine Frau, die nichts gegen Liebesabenteuer hat (la galante). Es war ein erotischer Code, ein galantes Spiel, das in der besseren Gesellschaft sehr en vogue war.

Doch zurück zu unserer hochmodischen Badebekleidung. Ich bezweifle, dass man selbst am Strand von Copacabana oder Ipanema in Rio jemanden findet, der sich dergestalt zu präsentieren wagt. Und dort trifft man wahrlich auf die attraktivsten Menschen des Planeten, angetan mit knappsten Strings.

Was man am Strand trägt, will wohlbedacht sein, Badebekleidung ist immer eine knifflige Sache, weil sehr der Mode und den jeweiligen kulturellen Gepflogenheiten unterworfen. Was im einen Land gang und gäbe ist, oben ohne zum Beispiel, führt woanders zu Verhaftung und Gefängnisaufenthalt. Ob Monokini, Bikini, Burkini, der ganz normale Badeanzug oder gleich FKK – zum Glück leben wir in Europa, wo wir uns das aussuchen können.

Eine ganz andere Sache jedoch ist die Ästhetik. Und da haut das neue Badeteil, finde ich, voll daneben. Mit einem kann sein Träger allerdings rechnen: mit Aufmerksamkeit. Oder auch mit Hohn und Spott. Wer’s braucht …

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