Beziehungsrenovierung

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Als ich vergangene Woche, es war Mitte April, meine Wohnung renovierte, kam mir der Gedanke, dass dies doch einen starken Symbolcharakter hat. Frühling, das ist traditionell die Zeit des Neubeginns, des Abwerfens von Ballast, der äußeren und inneren Reinigung (ich erinnere nur an die soeben zu Ende gegangene Fastenzeit).

Auch wenn ich selbst nicht in der Verlegenheit bin: Vielen Paaren täte es gut, ihre Beziehung einmal gründlich durchzulüften. Im Lauf der Zeit sammelt sich soviel Unausgesprochenes, Ungeklärtes, Missverstandenes in den Ecken des Alltags an, dass ein Frühjahrsputz, besser noch eine umfassende Renovierung als dringend angebracht erscheint. Oft erscheint die Außenwelt als Spiegel der Innenwelt (man muss es ja nicht gleich so kompliziert machen wie Peter Handke mit „Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“…).

Wie geht man das an?

Als erstes: Machen Sie die Frage, wie es um Ihre Beziehung bestellt ist, zu einem Projekt. Zu Ihrem gemeinsamen Projekt, über dem Sie (wenn es richtig kriselt) vielleicht auch wieder zueinander finden.

Am besten ist es, wenn Sie dieses virtuelle Projekt, Ihre Beziehung quasi zu renovieren, mit einem realen Projekt verbinden, bei dem Sie tatsächlich Hand anlegen müssen. Warum sollte dies nicht eine Renovierung der gemeinsamen Wohnung sein? Oder Ihrer beider Wohnungen, sofern Sie nicht in einer zusammenleben? So wie Sie dort die Ecken ausputzen, unnütze Dinge entsorgen oder sogar die eine oder andere vergessene Kostbarkeit entdecken, so werden Sie wahrscheinlich auch herausfinden, was in Ihrem Verhältnis nicht stimmt – oder warum es wert ist, darum zu kämpfen.

Zum zweiten: Reden Sie miteinander! Denn dies ist das A und O. Als wir vergangene Woche abklebten, pinselten und räumten, haben wir kaum ein Wort miteinander gewechselt. Wir waren viel zu beschäftigt, die Arbeit war ziemlich stupide. Aber es war ja auch keine Beziehungsarbeit, wirklich alles andere als das.

Zum dritten: Putzen Sie wirklich in den Ecken. Dort, wo man sonst nicht hinkommt und gewöhnlich alle Fünfe gerade sein lässt. Seien Sie hartnäckig. Stellen Sie Fragen, auch wenn’s wehtut. Gehen Sie an den Nerv. Reden Sie darüber. Das ist nicht bequem, aber heilsam.

Zum vierten: Trennen Sie sich! Nein, nicht voneinander, aber von Überflüssigem. Von alten Gewohnheiten, von angehäuftem Krimskrams, von jener elenden Routine, die einem doch (seien wir ehrlich!) jeden Spaß im Leben nimmt und den letzten Nerv raubt. Haben Sie den Mut, einfach neu anzufangen. Von Grund auf. Jetzt ist die rechte Zeit dafür.

Im Leben eines jeden Menschen findet alle sieben Jahre eine komplette Erneuerung statt, heißt es. Nicht umsonst ist auch vom „verflixten siebten Jahr“ die Rede, wenn es um Ehekrisen geht (ein Film von Billy Wilder mit Marilyn Monroe übrigens trägt diesen Titel). Das mit der Krise mag schon sein. Aber es gibt kaum eine Krise, die nicht zu überwinden wäre. Wenn beide Partner es denn wollen.

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