Transformation

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Ich lag nackt auf dem Rücken, die Augen geschlossen. Ich war die Leinwand. Im Sekundenrhythmus spürte ich, wie mir jemand mit etwas Kaltem, Feuchtem über den Körper strich. Ich bekam Gänsehaut. Aber ich genoss es. Ich hatte keine Ahnung, was sie mit mir anstellte. Ja, es war eine Sie. Eine Künstlerin. Sie machte Bodypainting. Mit mir.

Das heißt, sie machte etwas Anderes aus mir. Ich wurde, was Menschen vor Zehntausenden von Jahren schon waren. In Höhlen in Südwestfrankreich und Spanien hatte ich die immer noch frisch wirkenden Abdrücke ihrer Hände gesehen, die sie auf den Felsen hinterlassen hatten. Ihre lebendigen Abbildungen von Stieren, Hirschen und Pferden, von Erotik und Gewalt. Ich wusste, auch ihre eigenen Körper hatten sie bemalt. Es war Magie.

Ich spürte diese Magie. Irgendetwas verband mich mit diesen fernen Menschen, meinen Vorfahren. Ich weiß nicht was, aber es war da. Stunden später stand ich vor dem Spiegel. Ich war mir fremd. Und nicht mehr nackt. Die Farbe war wie eine zweite Haut. Was ich sah, hatte nichts mit meinem Leben, mit meinem Alltag zu tun. Mit meinem Inneren umso mehr. Ich wusste nicht mehr, wer ich war.

Aber ich war ich selbst.

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