Lange Nase, guter Sex?

90_Lange_Nase_guter_Sex_28.2.14

In diesen Tagen, zur Karnevalszeit, laufen wieder viele Leute mit künstlichen Nasen herum: Pappnasen, Tiernasen, Clownsnasen, Langnasen. Letztere ist die beliebteste. Ihr berühmtester Träger war die Kinderbuchfigur Pinocchio, dessen Nase mit jeder Lüge länger wurde.

Die Pappnasenträger finden das lustig. Nun, warum auch nicht? Wer’s mag… Aber ist ihnen auch bewusst, dass sie ihre Nase damit zum Sexsymbol machen? Denn ein solches ist die Nase seit alters her, je länger und ausgeprägter desto besser. „An der Nase des Mannes erkennt man seinen Johannes“ lautet der bekannte Dummspruch, der im übrigen jeder Grundlage entbehrt: Zwischen Penislänge und Nasengröße besteht nicht der geringste Zusammenhang. Wissenschaftler der südkoreanischen Pusan National University (die Doctores Nam Cheol Park und Jong Cheol Woo) haben das jüngst herausgefunden, immerhin 655 Männer vermaßen sie sowohl oben als auch unten.

Indes: Unter Stress und bei hochgradiger Erregung, also beim Orgasmus, vergrößert sich die Nase um eine Winzigkeit. Das hat damit zu tun, dass die Nasenschleimhaut in diesem Zustand anschwillt (ebenso wie die Genitalien). Das ist auch Bill Clinton passiert, als er vor einer Grand Jury vom Staatsanwalt zum Sex mit seiner damaligen Praktikantin Monica Lewinsky befragt wurde. Dabei, das wurde von einem Psychologenteam akribisch mitgezählt, fasste er sich 26 Mal an seine Knollennase – ein verräterisches Indiz fürs Lügen laut Körpersprache-Index. Wie sich später herausstellte, hatte er bei dieser Gelegenheit tatsächlich nicht die Wahrheit gesagt, was ihn beinahe sein Präsidentenamt kostete.

Vielleicht wollte er aber auch allen „eine lange Nase drehen“, also die anderen verspotten. Würde passen, ging aber schief. Seit dem berühmten Fastnachtsbild von Pieter Breughel d.Ä. („Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“, 1559), auf dem ein langnasiger Narr auftritt, ist diese Intention ikonographisch. Dass die lange, seinerzeit aus Wachs gedrehte Nase ein Attribut des Narren ist, wird erstmals in Sebastian Brands Moralsatire „Das Narrenschiff“ von 1494 thematisiert. Es war das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation.

Doch Langnasen sind nicht immer nur mehr Narren. Farang, das heißt Langnasen, werden Europäer in Asien genannt. Dem Vorwurf des Rassismus sah sich vor einigen Wochen die Fluggesellschaft All Nippon Airways ausgesetzt, als sie in einem Werbespot einem Japaner eine blonde Perücke aufsetzte und eine lange Nase anpappte („Lass uns das Bild ändern, das man von Japanern hat“, heißt es dazu im Dialog).

Zahlreich sind Langnasen im Tierreich vertreten. Es gibt den Langnasen-Doktorfisch, die Kleine Langnasen-Blumenfledermaus, die Langnasen-Strauchnatter und den Langnasen-Nadelwels, um nur einige Beispiele zu nennen. Keines dieser Tiere ist allerdings für ungewöhnliche sexuelle Aktivitäten bekannt.

Beim Menschen hingegen gibt es Nasensex – ungelogen! Es soll schon Leute gegeben haben, die sich dabei die Nase gebrochen haben. Vielleicht beim  Facesitting? Und wie ein erigierter Penis in ein Nasenloch passen soll – das soll mir erst mal einer vormachen. Ich werde interessiert dabei zuschauen.

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