Lange zugange

79_Lange_zugange_29.11.13_pitopia

Foto: Pitopia

Mindestens einmal im Jahr gehe ich in den Zoo, das ist Tradition bei mir. Als ich letzthin im Affenhaus, dicht vor der dicken Glasscheibe stehend, den Gorillas und Schimpansen tief in die Augen blickte, fragte ich mich, wie lange sie es wohl durchhalten, wenn sie’s miteinander treiben. Bei den Bonobos (die uns genetisch am nächsten verwandt sind) war die Antwort einfach: Ich musste nur zusehen, nach wenigen Sekunden bereits war es vorbei. 13 Sekunden, las ich dann zu Hause, dauert bei ihnen die Kopulation im Durchschnitt. Dafür treiben sie es quasi unentwegt, es ist ein Akt sozialer Hygiene.

Schimpansen haben es noch eiliger (7 – 10 Sekunden), während es Gorillas (1,5 Minuten) und Orang-Utans (11 Minuten) vergleichsweise gemütlich angehen lassen. Beim Menschen spricht man von 10 Minuten, die ein normaler Geschlechtsakt dauert – aber was ist schon normal?

Damit liegen wir im Reich der Säugetiere ungefähr im Mittelfeld. Hunde halten den Akt bis zu einer Dreiviertelstunde durch (Rekordhalter ist übrigens der Deutsche Schäferhund), Katzen, Pferde und Esel hingegen sind bereits nach 1 – 3 Minuten fertig, ebenso der Braunbär. Noch schneller geht’s bei Ziege (5 – 10 Sekunden), Schaf (dto.) und Rind (maximal eine halbe Minute). Aber welchem Rind wird heute, in Zeiten der industriellen Massentierhaltung, noch gestattet, frei und in Frieden seinen sexuellen Gelüsten zu folgen?

Sensationelle acht Stunden ist der Nerz zugange. Doch mit weitem Abstand an der Spitze liegen die Kleinbeutler: Sie schaffen bis zu elf Stunden am Stück. Kleinbeutler? Auch ich musste erst nachlesen, dass es sich hierbei um australische Beuteltiere handelt, winzig kleine Kängurus also. Ich habe mir Fotos angeschaut. Possums, Numbats oder Zwerg-Wallabies sehen ein bisschen so aus wie Ratten auf Rädern. Also keine Kuscheltiere.

Die Tierwelt steckt nach wie vor voller Geheimnisse. Über das Paarungsverhalten von Löwen z.B. weiß man nur wenig. Auch Männer überraschen immer wieder. Manche sind ausdauernd wie (na ja, man lese oben nach), andere müssen sich selbst Nutztieren geschlagen geben, die sie mit Wonne sonst verspeisen (ebenfalls oben).

Ich finde, dass die Dauer gar nicht so entscheidend ist. Ein Quickie kann ebenso befriedigend sein wie eine lange, heiße Liebesnacht. Wichtiger fürs Wohlbefinden ist viel eher, dass das gemeinsame Vergnügen nicht zu selten stattfindet (für mich: je häufiger, desto besser), und dass es möglichst intensiv und fantasievoll ist. Denn eines haben wir unseren tierischen Vettern auf jeden Fall voraus: die Abwechslung, mit der wir unser Liebesleben gestalten können. Elf, zwölf Stunden können es ja trotzdem werden.

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