Kein Sex mit wem?

Menschen in Bewegung

Foto: Pitopia

Vor Jahren gab es eine Fernsehwerbung, in der es von sauber gespülten Gläsern abhing, ob eine junge Frau den Mann aus der Wohnung nebenan rumkriegte. „Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn“ lautete der Spruch, der als geflügeltes Wort Karriere machte.

Großer Fehler! Denn ausgerechnet mit dem Nachbarn sollte man’s nicht treiben. War’s nur ein halbgares Quickie oder geht die Beziehung schief, wird jede zufällige Begegnung auf halber Treppe oder bei den Mülltonnen hinterher zur peinlichen Angelegenheit. Dann bleibt letztendlich nur der Umzug. Dass die große Liebe daraus wird und man beide Wohnungen per Mauerdurchbruch miteinander verbindet, darauf sollte man sich eher nicht verlassen.

Genauso verhält es sich mit einer ganzen Reihe sozialer Kontakte, die besser im platonischen Bereich angesiedelt bleiben. Die hübsche Bedienung im Lieblingscafé geht ja noch, im Fall des Falles wechselt man einfach die Location (obwohl auch dies, wenn die Croissants besonders gut waren, durchaus schmerzlich sein kann). Und irgendwann werden auch in der Großstadt die guten Cafés knapp.

Problematischer wird es, wenn am Arbeitsplatz zarte Bande geknüpft werden. Hier lernen sich zwar laut Statistik die meisten Sex- und Lebenspartner kennen, doch schwierig wird es auch hier, wenn der erste Rausch verflogen ist und man trotzdem weiter zusammenarbeiten muss. Oft kündigt dann einer von beiden oder lässt sich versetzen.

Brandgefährlich ist Sex mit Chefs (bzw. Untergebenen), auch wenn’s noch so prickelt. In den meisten Fällen kommt der Kater nach den heißen Nächten, dann kann es richtig unangenehm werden (Erpressung, Mord etc., in, gefühlt, jedem dritten Krimi ist das so). Besonders effektvoll schildert das der Film „Enthüllung“ von 1994, in dem Demi Moore als Chefin ihren Untergebenen Michael Douglas am Arbeitsplatz sexuell belästigt (dabei ist dies doch ein feuchter Männertraum!).

Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, doch dass solche Affären ein unschönes Ende nehmen, kommt wesentlich öfter vor, als dass alle Beteiligten ihr Glück dabei finden. Ich rede hier durchaus aus eigenem Erleben. Als ich, es ist schon lange her, als junge Krankenschwester mit dem Oberarzt… Aber lassen wir das.

In Insiderkreisen berühmt geworden ist jene Szene bei den Dreharbeiten eines deutschen Spielfilms, als die vom prominenten Regisseur wegen ihrer Bettqualitäten besetzte, doch mit ihrer Rolle heillos überforderte Hauptdarstellerin nach der zwanzigsten Wiederholung am Set in Tränen ausbrach und rief: „Aber (Name gestrichen), letzte Nacht warst du doch so zufrieden mit mir!“ Die Crew hat heimlich gejohlt und sich auf die Schenkel geklopft (der Regisseur war nicht sonderlich beliebt bei seinen Leuten).

„Tausendmal berührt, doch nie ist was passiert“, das ist die Variante mit dem besten Freund bzw. der besten Freundin – wenn’s dann doch „Zoom“ macht. Nichts dagegen, doch man sollte wissen: Wenn’s im Bett nicht klappt, ist meistens auch die Freundschaft futsch, da man nicht mehr so unbefangen miteinander umgehen kann wie zuvor. Dies ist einer jener Fälle, da der Sex seinen dunklen Schatten über eine Beziehung wirft.

Tabu ist es, mit den Ex-Freunden eigener Freunde etwas anzufangen. Das ist nicht nur moralisch suspekt, es gibt auch keine bessere Methode, sich seiner Freunde zu entledigen. Denn dies wird unweigerlich passieren. Also Finger weg!

Bliebe noch das ewige Thema „Sex mit dem/der Ex“. Klar, da weiß man, was man hat und kriegt, es ist Sex mit Rückversicherung und mit angezogener Handbremse, ohne Risiko, ohne Anstrengung, aber auch ohne die Schmetterlinge im Bauch, die mit jeder neuen Liebe einhergehen. Selten, dass da eine alte Leidenschaft neu belebt wird, eher, dass man sich den Blick verstellt für neue Möglichkeiten, die man so verpasst – ganz einfach, weil man nicht offen für sie ist. Die Menschen, denen Sie begegnen, spüren das sehr wohl.

Was ganz und gar nicht zu empfehlen ist: der Nostalgiebeischlaf. Manchmal kribbelt es ja in den Fingern, rauszukriegen, was eine alte Liebe nach vielen Jahren jetzt so treibt. Man trifft sich, man geht zusammen ins Bett – und ist enttäuscht. Es ist nicht mehr so toll wie früher. Ein Abglanz. Die Erinnerung hat uns einen Streich gespielt, man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Außerdem sind beide Partner älter geworden, sie haben sich verändert. Auf einen Schlag ist damit auch das, was früher einmal war, entwertet. Besser, man bewahrt diese Vergangenheit, wenn sie denn schön war, wie ein kostbares Gut im Tresor seines Herzens – und wirft den Schlüssel weg.

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