U-Boot-Sex

70_U-Boot-Sex_13.9.13

Auf den Segelschiffen früherer Zeiten und auf U-Booten war es üblich, dass sich zwei Matrosen eine Koje teilten: Einer war auf Wache, der andere schlief. Das ging schon aus Platzgründen gar nicht anders. Bei vielen Paaren heute ist es ähnlich, doch verantwortlich dafür sind weniger zu schmale Betten als die stark unterschiedlichen Rhythmen, nach denen viele Menschen leben oder leben müssen – Nachtarbeiter vs. Frühaufsteher, Eule gegen Lerche.

Und der Sex? Geht denn da noch was?

Aber sicher! Alles eine Frage der Organisation. Ich muss es wissen, denn zu jener Zeit, als ich noch Krankenschwester war, musste ich fast jeden Morgen zu nachtschlafender Zeit aufstehen, während meine Partner meist noch selig schlummerten. Mein Liebesleben kam dennoch nicht zu kurz. Es musste nur gut geplant werden.

Die landläufige Meinung, der beste Sex sei der spontane, trifft nämlich keineswegs zu. Ein heftiges Quickie in Ehren (ich bin die letzte, die das ablehnt!) – ein sorgsam vorbereitetes Schäferstündchen hat ebenfalls was. Man kann sich drauf freuen, keiner stört (Handys aus!), schon die Vorbereitungen machen Lust. Und manche Praktiken benötigen ja durchaus etwas Vorlauf. (Welche? Das ist ein anderes Kapitel.)

Auch heute noch steht in Zeiten, da sich die Termine drängen, oft das Wörtchen „Sex“ in meinem Kalender. Umso notwendiger ist dies – um zum U-Boot zurückzukommen –, wenn zwei Partner völlig unterschiedliche Lebensweisen haben, also der eine aufsteht, wenn der andere schlafen geht (aus welchen Gründen auch immer). Würde man ihn nicht planen – der Sex käme zu kurz. So wie es bei vielen Paaren ja tatsächlich der Fall ist.

Ich finde, dass durch diese Planung der Sex sogar an Wertschätzung gewinnt. Man macht ihn nicht mehr nebenbei. Er wird einerseits zum festen Bestandteil des Alltags, besitzt jedoch andererseits etwas Besonderes, Herausgehobenes. Und wenn man keine Lust drauf hat, kann man immer noch einen „Tatort“ aus der Konserve gucken oder ein Bier trinken gehen. Nein nein, das war ein Scherz. Bei mir kam das noch niemals vor.

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