Die schönsten Stellen

71_schoene_Stellen_20.9.13

„Schöne Stellen“ gibt es viele: in der Musik, der Literatur, beim Film. Unübersehbar ist die Zahl der Schallplatten bzw. CDs, auf denen die „schönsten Melodien“ dieser oder jener Oper festgehalten sind, Kompendien versprechen einen Schnellkurs im Denken von Plato, Nietzsche oder Kant („Kant light“), stellen die „romantischsten Liebesgedichte“ zusammen, offerieren die „besten Rezepte“ für Fleisch- und Fischgerichte.

Jeder Teaser versucht mit dem Zusammenschnitt der attraktivsten Szenen eines Films die Zuschauer ins Kino zu locken, und längst gibt es auch Kompilationen der spektakulärsten Actionsequenzen aus Filmen, die gar nichts miteinander zu tun haben. Im Grunde ist das reiner Konsumismus, Häppchenkultur auf die Spitze getrieben ohne auch nur den rudimentärsten Sinnzusammenhang.

Beim Sex ist das ähnlich. Wer von Anfang an nur auf die allbekannten „erogenen Zonen“, die „schönsten Stellen“, zugreift, dem entgeht eine Menge. Denn auch Körperregionen, die auf den ersten Blick ganz unspektakulär erscheinen, vermögen mitunter durchaus erotisches Potential zu entfalten. Nur ist das bei jedem Menschen anders. Achselhöhlen, Kniekehlen, Fußzehen, Ohrläppchen, Bauchnabel, Haaransatz (um nur einige Beispiele zu nennen) – was bei den einen keine Reaktion hervorruft, ein Gähnen allenfalls, bringt andere vielleicht zur Raserei.

Vielleicht aber auch nicht. Womöglich kommt dafür etwas ganz anderes in Frage. Was? Finden Sie es heraus! Jeder Mensch hat seinen kleinen Fetisch, der ihn mit Sicherheit erregt. Auch wenn ihm das gar nicht bewusst ist. Mancher Prinz, manches Schneewittchen ist noch gar nicht wachgeküsst.

Diese Erkundungen sind ebenso anregend wie lohnend, man muss sich nur auf sie einlassen und viel Zeit mitbringen. Auf die „schönsten Stellen“ trifft man dann irgendwann ganz von allein. Was mich betrifft: Ich liebe die Highlights, doch – wenn die Zeit vorhanden ist – mehr noch die ganze Oper. „Tristan und Isolde“ am Stück, viereinhalb Stunden ohne Pausen.

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