Sechsmal die Sechs

sechsmal-die_6_23.8.13

Was nachts im Privatfernsehen während der Werbepausen läuft, ist bekanntermaßen unterirdisch. Hat man auch nur zwei Minuten zugehört und zugesehen, möchte man nur noch Mönch oder Nonne werden. Es verleidet einem fast den ganzen Sex.

Was soll man davon halten, wenn unentwegt so künstlich gestöhnt wird, dass selbst der Naivste fassungslos den Kopf schütteln muss, weil es unglaubwürdiger nicht mehr geht? Wenn halbnackte junge Frauen mit ihren vorderen Extremitäten, die kugelförmig aufgepumpt sind, so heftig herumwackeln, dass sie fast das Gleichgewicht verlieren? Wenn „Girls“, Videos und Chats gleich im Tausenderpack angedient werden, „zum anständigen Preis“, versteht sich, „100 Prozent migränefrei“ und „ohne versteckte Kosten“, welche dann aber, wie das Kleingedruckte ausweist, doch kräftig zu Buche schlagen?

Was auffällt, ist, dass diese Art von Werbung nicht nur geschmacklos, sondern auch völlig ironiefrei ist. Einen einzigen Spot immerhin gibt es, bei dem man ansatzweise schmunzeln kann, auch wenn er unter die Rubrik „Blondinenwitze“ fällt. Da verwechselt eine blonde Nymphomanin ständig den Namen ihres Liebhabers (was natürlich nur heißt, dass sie ihre Bettgefährten ständig wechselt), worauf dieser stoisch antwortet: „Jeff, mein Name ist Jeff!“. Nun ja.

Ich denke, ich kann behaupten, dass ich ziemlich vertraut bin mit allen möglichen Spielarten der Sexualität. Die nächtliche Fernsehwerbung allerdings, so muss ich gestehen, ist eine fremde Welt für mich. Ich kenne auch niemanden, der sie auch nur ansatzweise für bare Münze nimmt, geschweige denn, auf sie hereinfällt. Was mich zu der Frage führt: Was sind das für Männer, die darauf abfahren? Wenn sich die Werbung nicht rechnete, gäbe es sie nicht, soviel ist sicher.

Doch die Männer, die dafür Geld ausgeben, bekommen ja nicht wirklich einen Gegenwert: ein bisschen Telefonsex, ein paar Fotos, einen Videoausschnitt vielleicht noch, das war’s. Gingen sie einfach mal raus, anstatt frustriert vor dem Fernseher rumzuhängen – sie hätten wesentlich mehr davon. Bisher hat noch fast jeder Topf seinen Deckel gefunden.

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