Die ganze Welt im Bett

68_30.8.13_IMG_7303

Nein, die Pfeile bezeichnen – ungeachtet meiner langjährigen intensiven Feldforschungen – nicht die Länder, aus denen meine Bettgefährten kamen. Sie benennen vielmehr bestimmte sexuelle Praktiken, die mit Ländernamen assoziiert werden. Warum das so ist, liegt im Dunkeln, wahrscheinlich gehen hier Vorurteile und Projektionen, also Wunschvorstellungen, eine etwas schräge Allianz miteinander ein.

Und natürlich sagen die Zuschreibungen auch etwas darüber aus, wie verschiedene Länder einander sehen. Ein fernsehtaugliches Format wäre ein solches Nationenquiz zwar nicht (noch nicht einmal im Nachtprogramm der Privatsender), aber wir können es spaßeshalber ja einmal durchdeklinieren.

Um welche Praktiken handelt es sich?

Nun, mit „französisch“ kann wohl jeder etwas anfangen, bei „französisch total“ wird auch geschluckt. „Deutsch“ ist die Missionarsstellung, während – Achtung! – in anderen Ländern unter „deutsch“ sadistische und masochistische Praktiken verstanden werden (was ebenfalls tief blicken lässt). Bei „englisch“ kommen Peitschen und Fesseln zum Einsatz, gern auch erzieherische Rollenspiele, was niemanden wundern wird, der einmal gehört oder gelesen hat, wie es in britischen Internaten angeblich zugeht.

„Griechisch“ meint Analverkehr, was wohl mit der gesellschaftlich akzeptierten Homosexualität („Knabenliebe“) in der Antike zu tun hat, auf „albanisch“ wird mit den Kniekehlen stimuliert, auf „italienisch“ mit den Achselhöhlen (bitte vorher rasieren, 80er Schmirgel ist nicht erotisch!). Geht es „spanisch“ zur Sache, findet der Penis seinen Platz zwischen den Brüsten einer Frau, auf „mongolisch“ wird er zwischen den Pobacken der Partnerin gerieben und damit stimuliert (die Mongolen waren schließlich ein Reitervolk…).

Nichts für Beschnittene ist „florentinisch“ bzw. „schwedisch“: Hierbei umfasst die Frau die Peniswurzel des Mannes und zieht die Vorhaut weit zurück. Durch den festen Händedruck wird die Erektion gewöhnlich verstärkt, danach wird penetriert. Bei „arabisch“ wird der Penis in warmes (aber bitte nicht heißes!) Öl getaucht, bevor er eindringt, das fördert die Durchblutung und damit die Empfindsamkeit beim ihm und ihr. Eine ölige Angelegenheit ist auch „russisch“, hierbei wird vor allem der Anus stimuliert.

„Indisch“ ist etwas für geübte Akrobaten (man lese nur das „Kamasutra“), bei „japanisch“ sitzt der Mann breitbeinig auf einem Stuhl, während die Frau vor ihm kniet und ihn mit dem Mund verwöhnt. „Thailändisch“, um in Asien zu bleiben, meint die erotische Ganzkörpermassage des Mannes mit dem Körper der Frau (ist auch Bestandteil fast jeder Tantra-Massage hierzulande).

Vollständig ist diese kleine Weltreise gewiss nicht, aber einen kleinen Eindruck von der Vielseitigkeit menschlichen Erfindungsreichtums, was den Sex betrifft, gibt sie vielleicht doch. Getoppt werden all diese Varianten jedoch von den Delfinen (hoch intelligente Tiere immerhin): Sie praktizieren, allein der sexuellen Befriedigung wegen, mitunter die nasale (!) Penetration. Ich bin ja ziemlich experimentierfreudig, doch für mich ist diese Spielart nichts. Ich halte mich an die anderen.

» zurück zu: Der sexte Sinn