Viagra zum Dumpingpreis

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Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung, dass in zwei Wochen der Patentschutz für Viagra ausläuft. Das ist überaus erfreulich, denn diese Wunderpillen für den Mann sind zwar wirksam, aber völlig überteuert. Die Pharmaindustrie verdient Milliarden damit. Die Rohstoffkosten betragen lediglich 0,2 Prozent des Verkaufspreises, das sind etwa drei Cent pro Tablette. Verkauft werden sie für ca. 15 Euro pro Stück. Eine bessere Gelddruckmaschine gibt es nicht.

Die Hersteller von Generika stehen schon in den Startlöchern. Sogar der Pharmakonzern Pfizer selbst, der Viagra 1998 herausbrachte, beabsichtigt, ein Generikum auf den Markt zu bringen, als Zweitschiene sozusagen. 2,50 Euro soll eine Pille kosten. Die Patente von Levitra und Cialis, den beiden anderen potenzsteigernden (und ähnlich teuren) Mitteln, bleiben zwar noch eine Weile geschützt, doch auch sie laufen in absehbarer Zeit aus.

Ich finde das gut so, denn viele, sehr viele Männer leiden vor allem in fortgeschrittenem Alter unter erektiler Dysfunktion, können sich aber die teuren Pillen nicht leisten. Die Krankenkassen zahlen nicht dafür.

Erektyle Disfunktion heißt: Des Mannes bestes Stück wird nicht mehr steif. Er braucht mehr Zeit und stärkere Reize, um überhaupt erregt zu werden. Diese Veränderungen gehen meist mit den „Wechseljahren“ einher, die der Mann ab Ende Vierzig, Anfang Fünfzig durchmacht. Sie sind ein ganz natürlicher, aber auch sehr komplexer Vorgang. Der Körper verändert sich dabei auf vielfältige Weise.

Gegen Erektionsschwierigkeiten kann man fast immer etwas tun. Regelmäßige Übungen, Beckenbodentraining, Gewichtsabnahme – das sind die Klassiker. Aber sie helfen nicht immer. Spritzen in den Penis und Applikatoren in die Harnröhre sind umständlich zu handhaben und zum Teil auch ziemlich schmerzhaft. Penispumpen und Prothesen funktionieren zwar auch, doch dürften wohl eher impotente Ingenieure daran Gefallen finden. Solche Mittel müssen heutzutage nur noch jene Männer erdulden, die Viagra & Co. nicht vertragen, aber dennoch auf eine Erektion nicht verzichten wollen.

Aus gutem Grund sind Viagra & Co. nur auf Rezept erhältlich. Es sind hochwirksame Medikamente, die starke Nebenwirkungen auslösen können und eindeutig definierte Kontraindikationen besitzen. Deshalb ist auch dringend davon abzuraten, sich die Tabletten vermeintlich leicht und kostengünstig übers Internet zu besorgen. Fälschungen sind weit verbreitet, die Folgen können verheerend sein. In solchen Produkten (denen man nicht ansieht, dass sie gefälscht sind) wurden schon E.-coli-Bakterien, Pestizide und Blei gefunden. Das ist lebensgefährlich.

Nun ist es aber beileibe nicht so, dass man nur eine Pille einwerfen muss, und der Penis steht wieder. Etwas Entscheidendes muss hinzukommen: die Lust. Vereinfacht ausgedrückt, sorgen Viagra & Co. für eine Muskelentspannung der Schwellkörper. Dadurch kann Blut in den Penis fließen, was eine Erektion zur Folge hat – sofern eine sexuelle Stimulation erfolgt. Nur dann nämlich wirken diese Tabletten. Die Einnahme des Medikaments allein bewirkt gar nichts. Kommt jedoch eine Stimulation hinzu, kann der Effekt gewaltig sein.

Wie die Wirkung zustande kommt, ist mir persönlich gleich. Hauptsache, es rührt sich was. Ob mit oder ohne Viagra.

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