Im Darkroom

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Gewöhnlich weiß man ja, mit wem man sich einlässt. Nur im Darkroom ist das anders. Da geht man spärlich bekleidet in einen stockdunklen Raum, in dem sich auch andere Leute befinden, die nur eins im Sinne haben – anfassen und angefasst werden. Wobei es bei der bloßen Berührung meist nicht bleibt. Niemand kann den anderen sehen. Doch wenn ein Sinn fehlt, sind die anderen Sinne umso wacher und geschärfter. Geredet wird fast nie. Wozu auch? Dafür wird meist hingebungsvoll gestöhnt.

Anonymer geht’s nicht. Mit wem man sich vergnügt hat, bleibt auch hinterher meist ein Geheimnis. Oft ist das auch besser so. Es könnten Illusionen zerstört werden, wenn man sieht, mit wem man im Dunkeln zugange war.

Erstmals kamen Darkrooms in der Schwulenszene auf, heute verfügt fast jeder Swingerclub über einen solchen Raum. Der Kick besteht darin, mit völlig Fremden folgenlosen Sex zu haben, ohne zu wissen, um wen es sich dabei handelt. Nur gucken geht nicht, denn es gibt nichts zu sehen. Man muss sich schon auf die Sache einlassen, sobald man über die Schwelle tritt.

Manche Menschen verlieren in absoluter Dunkelheit und gemeinsam mit anonymen Fremden leichter ihre Hemmungen. Hier machen sie Dinge, die sie sich sonst nie trauen würden. Viele sind auch einfach nur neugierig. Sie gehen hinterher nie wieder rein. Bei anderen wiederum wird es zur Sucht.

Auch im Darkroom gibt es einen Verhaltenskodex. Man muss nicht alles akzeptieren. Ein Nein bedeutet auch hier ein Nein. Nehmen Sie auf keinen Fall Wertsachen oder Ihr Smartphone mit (das leuchtet in der Dunkelheit und ist aus diesem Grunde dort verboten). Kondome sind unverzichtbar, Safer Sex ist ein absolutes Muss. Sie wissen schließlich nicht, mit wem Sie in Kontakt geraten.

Als Darkroom light könnte man eine Wand bezeichnen, wie sie ebenfalls in vielen Swingerclubs zu finden ist. Sie besitzt großzügige Aussparungen dort, wo Menschen gemeinhin erregt werden. Die einen befinden sich hinter der Wand, die anderen davor. So kann man auch seinen Spaß haben.

Oder gehen Sie zu zweit mal in ein Dunkelrestaurant. Darin ist es, der Name sagt es ja bereits, stockdunkel. Sie können sich gegenseitig anfassen, doch bewegt sich hier natürlich alles in gesitteten Bahnen. Gleichwohl: Zum Üben ist ein Dunkelrestaurant nicht schlecht.

Ihren ganz privaten Darkroom können sie übrigens auch zu Hause haben. Sie brauchen noch nicht einmal Rollläden oder blickdichte Vorhänge dazu. Legen Sie einfach eine fest schließende Augenbinde an und überlassen Sie sich Ihrem Partner und dem, was kommt.

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