Fingerfood

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Wir suckeln und saugen, beißen und kauen, lutschen und zutzeln. Nein, es geht nicht darum, an was Sie gerade denken. Es geht ums Essen. Der ganz überwiegende Teil der Menschheit isst nach wie vor mit den Fingern. Dass wir, im europäischen Kulturkreis, mit Messer und Gabel essen, ist eine relativ neue Errungenschaft, die sich erst mit dem Aufkommen des Bürgertums im 19. Jahrhundert durchgesetzt hat.

Im Moment scheinen wir uns ja wieder zurück zu entwickeln. Den Unterschied zwischen Menue- und Tafelmesser kennen nur noch wenige, das Fischbesteck ist außer Mode, und mit einer Hummergabel weiß außer Hardcore-Gourmets kaum noch jemand umzugehen. Über Fingerfood hingegen gibt es ganze Kochbücher, einen Hamburger kann man gar nicht anders essen als mit beiden Händen, und für Pommes Frites benutzt man allenfalls eine dreizinkige Mini-Plastikgabel aus Kunststoff. Das ist die neue Welt des Essens.

Ich liebe es, formvollendet zu dinieren. Allerdings habe ich gar nichts dagegen, bei einigen Gerichten aufs Besteck zu verzichten und die „fünfzinkige Gabel“, also die Hand, zu Hilfe zu nehmen. Es muss nur passen.

Eine Weißwurst in süßen Senf zu tunken und auszuzutzeln ist ein sehr sinnlicher Genuss (es wäre ein Sakrileg, sie mit dem Messer zu schneiden), und gekochten Spargel mit der Hand in zerlassene normannische Salzbutter oder Sauce Hollandaise zu tauchen und die Spitze genüsslich abzubeißen, nachdem man sie sanft mit der Zunge umfahren hat, ist immer noch in jeder Hinsicht akzeptabel. Das hat Stil. Gebratenes Geflügel mit den Händen zu zerreißen und die abgenagten Knochen hinter sich zu werfen, ist hingegen nur bei grobschlächtigen Mittelalter-Revival-Gelagen angebracht.

Was das alles mit Sex zu tun hat, meinem Leib- und Magenthema? Schon als Kind habe ich liebend gerne die Schüsseln ausgeleckt, und auch heute noch ist keine vor mir sicher. Messer und Gabeln brauche ich dazu nicht, ich nehme die Zunge. Ich finde, dieser Genuss geht über alles. Muss ich noch deutlicher werden…?

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