Turnen an Ringen – Über Piercing

Mundpiercing

Foto: Pitopia

Wenn ich in der U-Bahn fahre, sehe ich ganz oft junge, eigentlich recht hübsche Mädchen, die Ringe im Gesicht tragen: durch die Nase und die Augenbrauen, durch Ohren, Lippen oder Zunge. Wie’s unter ihrer Kleidung aussieht, will ich gar nicht näher wissen. Davon abgesehen, dass mich das an Bären erinnert, die auf abgelegenen osteuropäischen Jahrmärkten, in den Karpaten etwa, mit schmerzhaften Nasenringen zu Kunststückchen gezwungen werden – es sieht einfach nicht gut aus.

Es mag konservativ klingen, aber: Braucht ein hübsches Gesicht eine dauerhafte Veränderung mit Stahl, Eisen und Titan? Ich stelle die Frage nur mal so in den Raum.

Nun besitzt die Körpermodifikation eine ganz lange Tradition in der Geschichte der Menschheit. Dazu zählen neben Piercings (die seit 7000 Jahren nachweisbar sind) vor allem Tätowierungen, Implants, Brandings und Skarifizierungen. Mal dienten sie zur Abgrenzung, dann wieder waren sie Bestandteil von Initiationen, oder man wollte eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit damit ausdrücken. Heute sind derlei Manipulationen am eigenen Körper, zumindest im westlichen Kulturkreis, meist Ausdruck eines individuellen Schönheitsempfindens – man trägt’s, weil’s gut aussieht.

Denkt man. Das Problem ist, dass Piercings schwer wieder rückgängig zu machen sind, genauso wie Tattoos. Schönheitsideale ändern sich. Man denke nur an das legendäre „Arschgeweih“, ein Tattoo aus den späten Neunziger Jahren (auch „Schlampenstempel“ genannt), mit dem man sich heute nicht mehr sehen lassen kann, ohne sich als Proll zu outen.

Einer repräsentativen Erhebung von 2009 zufolge ist ein Drittel aller jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 24 gepierced, von den Männern tragen immerhin noch knapp zehn Prozent der 25- bis 34jährigen ein Piercing. Ringe an intimen Stellen sind besonders beliebt. Ob sie auch den sexuellen Genuss zu steigern in der Lage sind?

Nun, das kommt darauf an. Manche behaupten es, andere stellen eher eine Verminderung der sexuellen Empfindungsfähigkeit fest. Wieder andere beschweren die Ringe ihres Intimpiercings mit Gewichten und stellen sich so im SM-Club zur Schau. Wie heißt es auf einem Plakat der Gesetzlichen Unfallkasse Berlin? „Turnen mit Ringen kann Schmerzen bringen.“ Aber das haben sie bestimmt ein wenig anders gemeint.

 

 

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