Lasst dicke Männer um mich sein

Übergewichtiger Mann

Foto: Pitopia

Shakespeare legt diesen Ausspruch Julius Cäsar in den Mund, in seiner gleichnamigen Tragödie. Seine Quelle war der griechische Schriftsteller Plutarch, der das Zitat dem historischen Cäsar zuschreibt. Bei Shakespeare ist der Spruch auf Cassius gemünzt, einen der späteren Mörder Cäsars. Der war blass und hager, Cäsar war ihm gegenüber misstrauisch. „Er denkt zuviel, die Leute sind gefährlich“, lässt Shakespeare ihn sagen. Und: „Er liest viel.“ Was durchaus als Vorwurf gemeint ist. Leute, die lesen, haben ihren eigenen Kopf und sind gefährlich, soll das heißen. Was ja durchaus richtig ist.

Heutzutage haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Schlank ist das Schönheitsideal, Dicke haben keinen guten Ruf. Im Barock war das anders, man sehe sich nur einmal die Gemälde von Rubens an. Die von ihm gemalten Frauen mollig zu nennen, wäre eine Untertreibung. In der Südsee gelten wohlgenährte Menschen heute noch als ausgesprochen attraktiv, in Teilen Afrikas ebenfalls. Da fahren, das ist der neue Trend im Sextourismus, immer häufiger dicke deutsche Frauen hin. Sie gelten dort als gut aussehend.

In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts trugen Männer voller Stolz ein Wohlstandsbäuchlein, Hungerhaken zeigten schon durch ihr mageres Äußeres, dass sie sich nichts leisten konnten. Heute sind Dicke auf dem Rückzug, sie gelten als undiszipliniert, unästhetisch und gestrig. Firmen bevorzugen bei Einstellungen fast immer Schlanke, wenn sie die Auswahl unter gleich qualifizierten Bewerbern besitzen.

Doch Dicke werden immer zahlreicher, trotz alledem. Menschen, die dicke Freunde haben, werden oftmals selber dick, wie eine Langzeitstudie der Harvard Medical School ergeben hat. Die Hälfte aller deutschen Frauen ist übergewichtig, bei den Männern sind es gar zwei Drittel. Richtschnur ist der so genannte BMI, der Bodymass-Index. Wer die Kennzahl 25 überschreitet, hat Probleme, angeblich. Wobei der BMI auch nicht gerade das Maß aller Dinge ist: Ein gut trainierter, gestählter Bodybuilder wird, weil Muskeln schwerer sind als Fettgewebe, zwangsläufig mehr wiegen als ein jemand, der keinen Sport treibt. Deshalb sind ja auch Menschen, wenn sie mit Krafttraining beginnen, häufig zunächst einmal frustriert – weil sie nicht abnehmen.

Dick zu sein, beruht auf genetischer Veranlagung sowie der hormonellen Disposition. Oder aber, man isst schlichtweg zu viel. Die Rezepte, wie man dem entgegen steuert, kennt im Grunde jeder. Diäten zählen nicht dazu. Manche Dicke lassen sich sogar den Magen verkleinern, das soll angeblich helfen, birgt aber auch Risiken.

Eigentlich darf man Dicke, im Zeichen politischer Korrektheit, gar nicht mehr so nennen. In den USA heißen sie deshalb „horizontally challenged“ („herausgefordert in der Breite“). Dort müssen sie, ab einer bestimmten Gewichtsklasse, zwei Tickets fürs Flugzeug kaufen. Recht so: Auch ich möchte nicht unbedingt einen Langstreckenflug im Mittelsitz zwischen einem Sumoringer und einer Operndiva verbringen.

Eine Lanze aber will ich dennoch brechen für füllige Männer. Sie sind nicht nur ziemlich knuddelig, sondern auch gemütlich, ruhig und liebevoll – so jedenfalls meine Erfahrung. Dicke kann man nicht umpusten, man kann sich an sie anlehnen. Das vermittelt ein Gefühl der Sicherheit.

Und sie sind bestimmt nicht schlechter im Bett als Schlanke. Bei bestimmten sexuellen Stellungen ist ein Bauch sogar von Vorteil. Ein kleines Bäuchlein hat zur Folge, dass auch das Schambein des Mannes etwas stärker gepolstert ist. Da bei vielen Frauen die Klitoris ziemlich weit oben liegt, vom Vaginaleingang entfernt, kommt diese Speckschicht in der „Missionarsstellung“ genau auf der Klitorisperle zu liegen und beginnt sie zu reiben. Was eine Frau unzweifelhaft erregt.

Wem das zu anstrengend ist: Beim „Löffelchen“ liegen Mann und Frau entspannt auf der Seite, ineinander gekuschelt, und bewegen sich vor – zurück, vor – zurück. Wenn sonst nichts mehr geht – das geht bestimmt, meine lieben dicken Freunde.

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