Kann man Sex riechen?

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Ja, das kann man. Mit Sperma im Haar werden Sie als Frau auch in einer Gruppe von Blinden Aufmerksamkeit erregen. Denn Sperma verströmt einen unverwechselbaren Geruch, der lange anhält. Die Flüssigkeit, die bei Erregung von der Vaginalschleimhaut abgesondert wird, ebenfalls. Wer das riecht, der weiß sofort: Sie hatten Sex. Das liegt tief drin in unseren Genen.

Was aber, wenn der Sex noch vor Ihnen liegt? Wenn Sie scharf auf jemanden sind? Dann sondert Ihr Körper über die Schweißdrüsen Pheromone ab, das sind sexuelle Botenstoffe, die auf Ihre potenziellen Partner wirken. Wenn Sie sich fragen, was jemanden für Sie attraktiv macht: Es kann sein, dass es der Geruch ist. Nicht unbedingt das Aussehen (was die scheinbare Diskrepanz mancher Paare erklärt, bei denen man sich fragt, was die beiden wohl aneinander finden).

In Japan wird für getragene Schlüpfer junger Mädchen viel Geld bezahlt, man kann sie sogar am Automaten ziehen. Auch in unseren Breiten gibt es mit Sicherheit Liebhaber dafür. Die Welt des Sex besitzt viele bizarre Facetten.

Wenn zwei Gerüche zueinander passen, ist dies zumindest eine wichtige Voraussetzung dafür, miteinander anzubandeln. Wenn man hingegen, im wörtlichen Sinn, jemanden „nicht riechen“ kann, sind weitere Versuche fast immer zwecklos. Dann hat man schnell, nun ja, die Nase voll.

In Berlin gibt es seit neuestem eine „Pheromon-Party“, die aus der olfaktorischen Form gegenseitiger Anziehung ein USP (Unique selling point) macht. Man bringt dazu, in einer durchsichtigen Plastiktüte, ein drei Tage getragenes T-Shirt mit, also eines, das „müffelt“. Rechts kommen die männlichen T-Sirts hin, links die weiblichen. Dann beginnt die Schnüffelei an der Schmutzwäsche. Wem ein bestimmter Geruch gefällt, hat die Chance, den dazu passenden Partner (bzw. die Partnerin) live vor Ort zu finden. Dann darf, im direkten Körperkontakt, weitergeschnüffelt werden.

Eine originelle Idee mit Nischencharakter, zweifellos. Sie kommt übrigens aus den USA. Dort wird diese Form der Partnersuche ernsthaft betrieben. Ich möchte mir allerdings nicht unbedingt den intensiven Geruch fremder getragener T-Shirts in die Nase ziehen. Zumal auch die attraktivsten Sexuallockstoffe eine starke Konkurrenz zu fürchten haben: den Schweiß. Und der riecht eindeutig unangenehm.

Es sei denn, man fällt im Bett animalisch übereinander her. Das törnt viele an. Auch jedes Parfum ist da zu viel. Moschus zum Beispiel (eigentlich ein Drüsensekret des Moschushirschs, das heute meist synthetisch hergestellt wird) ist ein Duftstoff mit aphrodisischen Eigenschaften und in vielen Parfums enthalten. Was komponierte Düfte bewirken können, hat Patrick Süskind in seinem Roman „Das Parfum“ eindrücklich beschrieben.

Sein Held, Jean-Baptiste Grenouille, ist ein Mann ohne Eigengeruch. Der käme für mich nicht in Frage. Ich mag es sehr, wenn ein Mann nach Mann riecht. Ganz ohne Parfum. Wie ich ihn finde? Immer der Nase nach.

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