Wie viel darf man zeigen?

Akt mit Pylone

Foto: Pitopia

In Knossos auf Kreta, während der minoischen Kultur vor viertausend Jahren, zeigten Frauen voll Stolz ihre Brüste, zumindest an hohen Feiertagen. Wir wissen das von einigen sehr erotisch wirkenden Figurinen, die sich erhalten haben.

Vor einigen Jahren, 2004, regte sich in den USA die ganze Nation darüber auf, dass die Sängerin Janet Jackson bei ihrem Auftritt während der TV-Übertragung des Super Bowls für Sekundenbruchteile ihre rechte Brust entblößte. Sogar der US-Kongress beschäftigte sich damit. Der Vorfall ging als Nipplegate in die Geschichte ein. Seitdem werden wichtige Live-Übertragungen wie die Verleihung der Oscars oder Grammys nur noch zeitversetzt (mit einer Verzögerung von fünf Sekunden) gesendet, damit die Regie notfalls die Ausstrahlung von derlei Anstößigkeiten verhindern kann.

Im Rokoko banden die Frauen ihre Brüste so stark nach oben, dass sie fast heraussprangen. Es war ein starkes erotisches Signal. Vor hundert Jahren wiederum geriet es zum veritablen Skandal, wenn auch nur der Knöchel einer Dame sichtbar war. In den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war es ein Ausdruck von Emanzipation und Befreiung, wenn Feministinnen ihre Büstenhalter öffentlich verbrannten.

Als die englischen Truppen 1982 mit ihren Schiffen zu den Falklandinseln ablegten, zeigten viele Frauen den Soldaten ihre nackten Brüste, um sie zum Kämpfen anzufeuern, eine Sitte, die schon bei den Germanen üblich war. Sie scheint gewirkt zu haben, denn die Germanen galten als gefürchtete Krieger. Und den Falklandkrieg haben die Engländer ganz locker gewonnen.

In der Südsee liefen die Frauen fast immer barbusig herum, kein Mensch störte sich daran. Das änderte sich erst, als die christlichen Missionare kamen. Im muslimischen Kulturkreis gehen Frauen nur völlig bekleidet ins Wasser. Seit einigen Jahren gibt es religiös korrekte Ganzkörperschwimmanzüge, die nur Gesicht, Hände und Füße unbedeckt lassen. Sie tragen den putzigen Namen „Burkini“, der sich aus den Worten Burka und Bikini zusammensetzt. An manchen Stränden ist es heutzutage völlig normal, oben ohne zu baden, an anderen wird man verhaftet dafür. Nur in Städten wie Berlin kann man im Grunde machen, was man will. Genau deshalb lebe ich hier.

Dies ist nur ein kurzer, unvollständiger Streifzug durch die Geschichte und Kulturen. Was lernen wir daraus? Wie viel man zeigen darf, ist einzig und allein kulturell bedingt. Und der beste Ort zu leben ist immer noch jener, an dem die größtmögliche Freiheit herrscht.

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