Wie ich beinahe ein Bond-Girl geworden wäre

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In fast jedem James-Bond-Film gibt es eine Szene, die am Pool eines Luxushotels irgendwo in warmen, sonnigen Gefilden spielt, in der Karibik vorzugsweise. Dort ist neben Bond und dem jeweiligen Bösewicht (Goldfinger, Emilio Largo oder so) stets eine Anzahl sehr ansehnlicher Mädchen im Bikini zu sehen, die bunte Cocktails trinken, in der Sonne bräunen oder sich sonstwie amüsieren. Wenn die Männer ernsthafte Gespräche zu führen haben, werden sie mit einem Klaps auf den Po weggeschickt, damit sie nicht dumm dazwischen reden.

Ich muss gestehen, ich war auch mal da. Leider hatten sie an dem Tag gerade drehfrei. Immerhin habe ich fotografisch festgehalten, dass ich mich damals tatsächlich am Pool des Hotels „Spritz-Carlton Hot Beach“ in Miami Beach, Florida, aufgehalten habe. Es war mein erster Versuch, vor die Kamera zu kommen, vor eine richtige, meine ich.

In einer Bar hatte ich einen Typ kennengelernt, der mir erzählte, er sei Aufnahmeleiter bei dem neuen Bond, den sie gerade im Hotel nebenan, direkt am Ocean Drive, drehten. Er könne mich da bestimmt als eines der Girls unterbringen, die im Film die Pool Area bevölkerten. Natürlich müsse er sich zunächst davon überzeugen, ob meine Anatomie auch für die Rolle geeignet sei, aber das sei reine Formsache, wir könnten das gleich in seinem Zimmer erledigen.

Ich bin ein großes Mädchen und falle auf solche billigen Tricks nicht rein. Der Typ musste sich in dieser Nacht mit seiner eigenen Anatomie beschäftigen. Aber die Sache juckte mich trotzdem. Außerdem war ich scharf drauf, den Darsteller des James Bond aus der Nähe zu sehen (ich weiß gar nicht mehr, wer das damals war, Roger Moore vielleicht?). So eine Gelegenheit kriegt man nicht alle Tage.

Ich also am nächsten Tag ins „Spritz-Carlton“ und in Richtung Pool, aber da waren nur die üblichen Verdächtigen, die einem in Miami Beach samt und sonders auf den Geist gehen, weil sie einen ohne Ende anbaggern. Ich trank einen Mai Tai an der Poolbar und redete mit dem Barkeeper. Der sagte mir mit einem schiefen Grinsen, ja, hier im Hotel würde tatsächlich gedreht. Er gab mir sogar die Zimmernummer. Aber heute, da hätten sie leider drehfrei.

Am nächsten Vormittag war ich wieder da. Nun wusste ich, wo ich suchen musste. Also nix wie rauf (es war sinnigerweise die Nummer 6969, glaube ich), dreimal hyperventiliert, geklopft, die Tür ging auf. Drinnen drehten sie tatsächlich. Es war allerdings mehr die nicht jugendfreie Hardcore-Version von „Der Spion, der mich liebte“. Von Roger Moore keine Spur. Ich hatte es ja geahnt: Der Typ in der Bar hatte mich angeschmiert.

Von Kamera und Film und dem ganzen Kram hatte ich dann erstmal genug. Es dauerte einige Jahre, bis ich tatsächlich vor einer Kamera stand, einer richtigen. „Silber sinnlich sexy“ heißt der Film, er ist vor ein paar Monaten auf DVD rausgekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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