Adventsmänner

Advent_30.11.12

Kleines Foto “junger Mann”: Bigstock

Zum ersten Advent wollte mir eine Freundin etwas Gutes tun. Sie schenkte mir einen erotischen Adventskalender. Es war aber keiner der gewöhnlichen Sorte, sie hatte ihn speziell für mich modifiziert. Das bekam ich aber erst raus, nachdem ich einige der Türchen geöffnet hatte.

Am Anfang schien es ja noch Zufall zu sein: Da lächelte mir aus dem Türchen das Porträt eines ansehnlichen jungen Mannes entgegen, der genau in mein Beuteschema passte. Da hat bei der Adventskalenderfirma aber jemand einen verdammt guten Geschmack, dachte ich. Am zweiten Tag war es ein anderer Typ, der mich anschaute. Er war mir aber ein bisschen zu alt. War der Kalender vielleicht von einer Partnervermittlung?

Beim dritten Türchen nahm ich das Foto des Mannes, der wieder mehr meinem Geschmack entsprach, heraus und drehte es um. Dort stand eine Telefonnummer. Neugierig geworden, überprüfte ich auch die ersten beiden Bilder: Auch hier waren Handynummern auf der Rückseite. Das konnte kein Zufall sein.

Obwohl es noch gar nicht Weihnachten war, öffnete ich fieberhaft alle Türchen des Adventskalenders. Am Schluss lagen 24 kleinformatige Fotos mehr oder minder attraktiver Männer vor mir auf dem Tisch, jedes mit einer Telefonnummer auf der Rückseite.

Ich rief meine Freundin an. Sie hatte sich schon gedacht, dass ich die Bescherung nicht hatte abwarten können. Ob denn einer der 24 Kandidaten in Frage käme?, erkundigte sie sich mit unschuldiger Stimme. Es stellte sich heraus, dass sie ihren ganzen Bekanntenkreis und den einiger Freundinnen auf paarungswillige Männer hin durchforstet hatte. Einige von ihnen stammten aus ihrem reichhaltigen Fundus abgelegter Liebhaber, die sie, ganz Samariter, einer neuen Verwendung zuführen wollte.

Lieb gemeint, doch leider ein Schuss in den Ofen. Ich habe keinen der Herren angerufen. Meine Männer suche ich mir immer noch selber aus.

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