Blasen, aber wie?

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Den ganzen Sommer über und bis in den Herbst hinein werden in Bayern Volksfeste ohne Ende gefeiert. Zu einem zünftigen Fest gehört dort neben Bier in Strömen selbstverständlich laute und ausdauernde Blasmusik. Aber die ist, nun ja, Geschmackssache. Wenn ich Blaskapellen auch nur aus der Ferne höre, ziehe ich mir die Bettdecke über den Kopf und stopfe mir die Ohren zu.

Mehr kann ich mit der bekannten anderen, umgangssprachlichen Bedeutung des Blasens anfangen. Genau mit diesem Doppelsinn spielt ja auch die Stickerei auf der Jacke jenes Mannes, der mir am Berliner Flughafen vor die Kameralinse lief (auch wenn er nicht aus Bayern, sondern aus Sachsen kam, wie die Website seines Blasmusikvereins verrät). Es ist, das muss man ihm zugute halten, ein durchaus gelungener Werbegag. Dabei erscheint, wenn man es genau bedenkt, die Angelegenheit als ein grandioses Missverständnis.

Ich habe keine Ahnung, wie man auf die Idee kommen kann, Fellatio als „Blasen“ zu bezeichnen. Die Technik ist eine völlig andere als jene, wie sie beim Spielen von Blechinstrumenten verlangt wird. Da wird nicht kräftig gepustet, sondern – im Gegenteil – mit Hingabe gesaugt und ebenso geschickt wie variantenreich mit der Zunge gespielt.

Auf diese Weise wäre einer Klarinette, Trompete oder Tuba mit Sicherheit kein Ton zu entlocken. Ein Mann aber, dem solcher Genuss widerfährt, gibt, so meine Erfahrung, mitunter Töne von sich, gegen die ein ganzes Orchester nicht ankommt. Es ist eine Art von Blasmusik, gegen die ich nichts, aber auch gar nichts einzuwenden habe.

 

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