Blaue Flecken im Bett

Blaue Flecken
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von PLUS Model Magazine

Neulich war ich im Schwimmbad, da sah ich einen Mann, dessen Körper mit blauen Flecken übersät war. Was war passiert? War er verprügelt worden? Eine schlimme Krankheit? Ein Unfall? Vielleicht ein SM-Liebhaber?

Nein, nichts dergleichen. Das war mir sofort klar, als ich seine junge Freundin sah: ein richtiger Hungerhaken. Nicht schlank, sondern dünn. Und knochig. Das Rückgrad zeichnete sich Wirbel für Wirbel ab, die Knie und Ellenbogen waren spitz wie Speere, die Hüftknochen ragten seitwärts heraus. Dabei war ihr Gesicht ausgesprochen hübsch, mit hohen Wangenknochen, einer wohlgeformten Nase, vollen Lippen und mandelförmigen dunklen Augen. Ihre Brüste waren klein und fest, ihr schwarzes Haar reichte fast bis zur Pospalte. Noch ein bisschen länger, und sie hätte es nach vorne durchziehen können. Wenn sie mehr anhatte als einen Bikini, würde sie vermutlich als Traumfrau durchgehen. Wahrscheinlich war sie Model.

Aber mit ihr zu schlafen war wohl ein sehr spezielles Vergnügen, wie das Aussehen ihres Freundes bewies. Nach jedem Akt musste er sich fühlen wie nach einem Besuch im „Fight Club“. Ich verstehe dieses Schönheitsideal nicht, das von der Werbung ständig befeuert wird. Bulimische, magersüchtige Schönheiten, mindestens eins achtzig groß, alle nicht von dieser Welt. So sieht keine normale Frau aus. Eine normale Frau hat Speckröllchen und Falten und allerlei Problemzonen. Von körperlicher Perfektion (was ist das überhaupt?) ist sie weit entfernt.

Doch was macht das schon? Ich will hier nicht dem Schmalz von der „inneren Schönheit“ das Wort reden, mit dem Frauen, die von der Natur nicht so gut ausgestattet sind, oft getröstet werden. Auch ich drehe mich auf der Straße schon mal nach der einen oder anderen attraktiven Frau um. Aber diese Frauen sehen ausnahmslos aus wie Frauen und nicht wie Reißbrettzombies, das heißt mit Kurven und harmonischen Proportionen, nicht mit Beinen, die gleich unterm Brustansatz beginnen. Und sie besitzen etwas, was kein achtzehnjähriges Model haben kann: Persönlichkeit. Die kommt erst mit den Jahren und Jahrzehnten, und genau das macht auch zumindest einen Teil ihrer Attraktivität aus.

In der Werbung kommt dieser Gedanke auch so langsam an. Zwar sind ältere Models in der Minderzahl, aber es gibt sie immerhin, vor allem in der Kosmetikbranche (was vor allem mit der vergleichsweise hohen Kaufkraft der Zielgruppe zu tun hat). Es gab sogar mal eine Kampagne speziell mit molligen Frauen. Soweit ich weiß, war sie ein Erfolg.

Im Bett macht es übrigens deutlich mehr Spaß mit Frauen, die wie Frauen aussehen und sich auch so anfühlen. Dies sagen mir jedenfalls alle Männer, die ich kenne. Keiner von denen hat blaue Flecken am Körper. Was auch ich ästhetischer finde.

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