Wo gehören Frauen hin?

Senat

In Berlin gibt es eine „Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen“. Diese Kombination hat mir schwer zu denken gegeben. Ist hier Willy Brandts Diktum, dass „zusammenwächst, was zusammengehört“, wahr geworden (im Gegensatz zu dem, was er eigentlich meinte)? Hat sich der feuchte Traum eines Bürokraten erfüllt? Oder wurde einfach nur zusammengewürfelt, was noch übrig war von den Zuständigkeiten, nachdem sich alle bedient hatten? In der Stadtregierung vor der jetzigen waren jedenfalls noch „Wirtschaft, Technik und Frauen“ zusammengespannt. Die Frauen führen anscheinend ein Nomadendasein im offiziellen, regierungsamtlichen Berlin. Keiner will sie haben. Ihre Zuordnung hat etwas Beliebiges.

Aber gut, jetzt also „Arbeit, Integration und Frauen“. Ich frage mich: Was haben diese drei Bereiche zwingend miteinander zu tun? Worin sollen Frauen integriert werden? Arbeiten müssen sie ohnehin fast alle in diesen schwierigen Zeiten (wenn sie denn Arbeit finden), von den sprichwörtlichen Dahlemer Witwen einmal abgesehen. Oder sollen Frauen für die Integration (von wem?) arbeiten? Ist Integration Arbeit? Die vor allem von Frauen geleistet wird? Auch eine Möglichkeit, wenn auch nicht ganz nachvollziehbar. Irgendwer muss sich doch was dabei gedacht haben.

Wahrscheinlich hat sich keiner was dabei gedacht. Vermutlich denken wir nur, dass sich jemand was dabei denkt. Also können wir uns das Denken schenken? Nein, so nun auch wieder nicht. Seien wir ein wenig kreativ! Warum eigentlich gibt’s nur eine Zuständigkeit für Frauen? Wo bleiben die Männer? Vorschlag für ein neues Ressort: „Frauen, Männer und Integration“. Die Arbeit geht zur Wirtschaft, da gehört sie auch hin, Männer und Frauen werden „integriert“, also – im direkten lateinischen Wortsinn – wiederhergestellt zu einer übergeordneten Ganzheit (gemeint ist, dass beide sich perfekt ergänzen). Was ganz gewiss Arbeit bedeutet, und zwar nicht wenig. Weshalb die Einteilung des Senats vielleicht doch nicht so verkehrt ist.

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