Kleine Männer, große Frauen

Kleine Männer große Frauen

Ich bin eins sechsundsiebzig groß, also etwas über dem Durchschnitt, mit Killer-High-Heels komme ich auf knapp eins neunzig. Ich sage das nur, weil ich gelegentlich in e-mails danach gefragt werde. Viele Männer, besonders kleinwüchsige, mögen ja große Frauen. Ich habe nichts dagegen, auf einen Mann herunterzublicken, aber andersrum ist es auch recht. Meine Männer waren zwischen eins sechzig und zwei Metern. Mit einem, das war der von eins sechzig Größe, war ich sogar verheiratet, aber nur kurz. Seitdem bin ich vorsichtiger. Manche Männer versuchen mir was vorzumachen, indem sie Plateauschuhe tragen, aber das merke ich schnell.

Gesellschaftlich und biologisch ist es die Norm, dass Frauen ein paar Zentimeter kleiner als Männer sind. Betrachtet man Paare auf der Straße, trifft man fast immer auf dieses Verhältnis. Irgendwie hat sich das so eingespielt, genauso wie Frauen meist ein wenig jünger als ihre Männer sind.

Kleine Männer wollen hoch hinaus, ihr Ehrgeiz kompensiert die geringe Körpergröße, die ihnen oftmals Minderwertigkeitsgefühle vermittelt. Napoleon war so einer, Nicolas Sarkozy ebenfalls. Er trug Plateauschuhe. Aber das hat auch nichts geholfen. Er wurde abgewählt.

Im Kino merkt man es kaum, wenn der Held ein Kleiner ist, es gibt da Kameraeinstellungen und andere Tricks, die sind schon ziemlich raffiniert. Tom Cruise zum Beispiel kommt gerade auf eins siebenundsechzig, habe ich gelesen, doch das fällt kaum auf. Humphrey Bogart musste auf eine Kiste steigen (die natürlich nicht im Bild war), wenn er Lauren Bacall (die ziemlich groß ist) küssen sollte. Wenn das ein Mann bei mir machen müsste, wäre mir klar, da läuft was falsch. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt Frauen, die sind glücklich, wenn der Mund eines Mannes gerade bis zu ihren Brüsten reicht.

Umgekehrt wird auch ein Schuh draus. Im James-Bond-Film „Moonraker“ (1979) verliebt sich der 2 Meter 18 große „Beißer“ in Dolly, die höchstens mal eins fünfzig misst (die Kleine mit den Pippi-Langstrumpf-Zöpfen). Das ist schon ziemlich freakig. Ich muss gestehen, dass auch ich geschmunzelt habe. In einem anderen Bond-Film, „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974), tritt ein veritabler Zwerg mit Namen Schnick Schnack auf. Da haben sie es sich dann doch verkniffen, ihm eine große Blonde an die Seite zu stellen.

Mit der Länge seines besten Stücks hat die Körpergröße eines Mannes übrigens nicht unbedingt etwas zu tun. Es gibt solche und solche. Ich muss es wissen, ich bin viel rumgekommen in der Männerwelt. Viel wichtiger als Dicke und Länge – dies zum Trost den Kleinen im Lande – ist für eine Frau das, was ein Mann mit seinem kleinen Freund anzustellen in der Lage ist. Potenz und Größe sind nicht alles, die Raffinesse zählt. Das meinen jedenfalls fast alle Frauen, die ich kenne, mich eingeschlossen.

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